Wissenschaftliche Arbeiten

FamilienErgo wurde aus den ergebnissen der KiKA-Studie entwickelt. Die Diplomarbeit von Frau Raudonat untersuchte die Tauglichkeit von FamilienErgo für die Schulvorbereitung.

1. Diplomarbeit "Eltern im Übergang" zu FamilienErgo in der Schulvorbereitung

von K. Raudonat, betreut von Prof. Dr. Yvonne Ehrenspeck, Universität Oldenburg im Studiengang Diplom-Pädagogik (2012) 

Diplomarbeit von Kirsten Radonat (PDF-Format, Dateigröße ca. 1,4 MB)
Diplomarbeit von Kirsten Radonat

Zusammenfassung: FamilienErgo ist eine Methode, die die wissenschaftlich anerkannten Kriterien der Schulvorbereitung vermittelt und die Eltern in sinnvoller Weise mit in die Vorbereitung einbezieht. Fast alle Eltern sind in der Lage, ihren Kindern Alltagskompetenz zu vermitteln. Damit tragen sie dazu bei, dass wichtige vorschulische Kompetenzen wie Gliederungsfähigkeit und Mengenerfassung trainiert werden - und das ohne einen zusätzlichen  hohen zeitlichen Einsatz und finanziellen Aufwand.

Wenn unsere Kinder in die Schule kommen, ist das nicht nur ein aufregender, sondern auch ein wichtiger und auf verschiedenen Ebenen anspruchsvoller Übergang. Seit etlichen Jahren und spätestens seit der ersten PISA-Studie wird auch wissenschaftlich untersucht und beachtet, was die Eltern in diesem Prozess durchmachen und leisten. Denn Eltern sind nicht nur Begleiter und Ratgeber ihrer Kinder, sondern sie sind auch Mit-Übergänger. Und Schulvorbereitung gelingt am besten, wenn Kindergarten und Grundschule mit den Familien eng zusammenarbeiten.

Viele Bundesländer haben inzwischen Programme aufgelegt, mit denen die Kooperation zwischen Kindergärten, Schulen und Familien gestärkt werden soll. Sowohl rechtlich als auch inhaltlich-programmatisch sind dafür Grundsätze und Leitlinien verankert worden. Wie diese Kooperationen konkret gestaltet werden, hängt aber immer von den Institutionen vor Ort und damit auch von der jeweiligen Bereitschaft zur Zusammenarbeit ab.

Dort, wo dieser Weg beschritten wird, profitieren alle Beteiligten vom Austausch untereinander. Die Kinder erleben dann einen Übergang, der sicherlich Umgewöhnung und Neues und vielleicht die eine oder andere Hürde mit sich bringt, aber dennoch in einem stabilen Bezugsrahmen geschieht und sie deshalb nicht völlig aus der Bahn wirft.

FamilienErgo eignet sich daher für die Kooperationsplanung der Institutionen und die Zusammenarbeit mit den Eltern in besonderer Weise, um effektive Schulvorbereitung durchzuführen.

2. KiKA-Studie "Kindliche Kompetenzen im Alltag und gelungener Schulstart"

Dernick R, Lange S, Esser G Kindliche Kompetenzen im Alltag und gelungener Schulstart, Kinderärztliche Praxis 80, 350-357,(2009)  Nr. 5

Die KiKA-Studie unter Leitung von Prof. Esser bestätigt den Zusammenhang zwischen Alltagskompetenz und gelungenem Schulstart, dokumentiert erstmals die vorhandenen Alltagskompetenzen 4-7 jähriger gesunder Kinder (n=623) und analysiert mögliche Ursachen für fehlende Förderung im Familienalltag. Lesen Sie auch den Artikel über die KiKA-Studie auf www.kinderaerztliche-praxis.de

Das Wichtigste für die Praxis:

  • Die Möglichkeiten der Förderung im Familienalltag werden von vielen Eltern nicht optimal genutzt.
  • Eine Förderung in diesem Bereich erscheint realistisch, da die Einbeziehung von Kindern in Alltagstätigkeiten (immer noch) weit verbreitet ist.
  • Auch Kinder aus "einfachen Verhältnissen" können wirkungsvoll gefördert werden, da die Entwicklung kindlicher Alltagskompetenz nicht an die elterliche Schulbildung gekoppelt ist.
  • Die bis zum Schulstart erworbenen Alltagskompetenzen könnten nach den vorliegenden Ergebnissen für den gelungenen Schulstart ähnlich bedeutsam sein, wie die elterliche Schulbildung.

Nachfolgend einige Ergebnisse der Studie im Detail:

Was tun Kinder im Alter der U9 (4,5 - 5,5 Jahre)?

Die Abbildung zeigtwie häufig Kinder (in der Einschätzung Ihrer Eltern) im Altersbereich der Vorsorge U9 Alltagstätigkeiten ausführen: Nur ca. 2/3 der Kinder ziehen sich (fast immer oder überwiegend) alleine an und essen mit Messer und Gabel, nur ein gutes Drittel räumt seine eigenes Geschirr und Besteck nach dem Essen ab. 

Beim Kochen und Backen, beim Einkaufen im Supermarkt sowie beim Tisch decken zeigen sich mehr als die Hälfte der Kinder regelmäßig hilfsbereit, fast alle helfen hier zumindest gelegentlich. 84% melden sich problemlos am Telefon mit Namen und 48% können sich telefonisch verabreden. 

Beim Finden der Sockenpaare üben 2/3 der Kinder mindestens gelegentlich die visuelle Wahrnehmung und Mustererkennung, in 79% der Haushalte helfen die Vorschulkinder gelegentlich bis fast immer beim Legen der Wäsche. 43% dürfen bzw. können wenigstens ab und zu kleinere Einkäufe beim Bäcker oder Kiosk selbstständig erledigen.

Problematisch sind die gelben Bereiche: sie zeigen, dass viele Kinder die Tätigkeiten durchführen könnten, dies aber nur gelegentlich praktizieren. Dadurch verpassen die Kinder viele Möglichkeiten, ihre Fertigkeiten durch Üben zu verbessern. 

Wann lernen Kinder sich das Brot zu schmieren?

Beispiele für den Verlauf des Kompetenzerwerbs mit dem Alter. Mit 7;5 Jahren schmieren fast alle Kinder ihr Brot selbst, aber nur die Hälfte der 4 ½ bis 5-jährigen übt damit regelmäßig Kraftdosierung, Feinmotorik und Koordination (n=522).

Das Alltagskönnen der Siebenjährigen

Bei den 144 Siebenjährigen der KiKA-Studie wurde untersucht, welche Tätigkeiten für ein Grundschulkind als üblich gelten können. Dafür wurden die kumulierten Prozente der Antworten „fast immer“, „überwiegend“ und „gelegentlich“ zusammengefasst. Die nachfolgenden Prozentangaben geben also an, wie viele Kinder der Altersgruppe die Tätigkeit zumindest ausführen können, ungeachtet der Fragestellung, wie oft sie dies tun. Danach zogen sich 99,3 der Kinder fast immer bis gelegentlich aus und 98,6 % selbstständig an. Über 90% wissen, wie man den Tisch deckt, sein Brötchen/Brot schmiert, mit Messer und Gabel isst, können beim Einkaufen und Kochen helfen und telefonieren. Nur 88,2% können Schleife binden, knapp ¾ helfen beim Wäsche legen oder erledigen kleinere Einkäufe alleine. Nur 2/3 räumen die Spülmaschine zumindest ab und zu ein bzw. aus (sofern vorhanden) oder trocknen Besteck und Plastikschüsseln ab. Das Abtrocknen von Gläsern und Pfannen, Aufhängen der Wäsche und Benutzung von Wäscheklammern ist nur der Hälfte der 7-jährigen bekannt, die andere Hälfte praktiziert diese Tätigkeiten „fast nie“.