Schwimmen lernen ist eine Lebensversicherung

Viele Eltern glauben, dass (Schwimm-) Lehrkräfte ihrem Kind das Schwimmen am besten beibringen können. Das mag in Einzelfällen stimmen. Aber oft führt dieser geringe Glaube an die eigenen elterlichen Kompetenzen dazu, dass eine Großchance für die Eltern-Kind-Beziehung ungenutzt verstreicht und die Kinder im schlimmsten Fall in der Grundschule immer noch nicht schwimmen können. Das ist nicht nur ungünstig für das Selbstbewusstsein - im Falle eines Ertrinkungsunfalles auch fatal. 

Ein Fall für FamilienErgo unter dem Motto: „Eltern stärken -Kinder fördern“

 

Fünf Gründe, warum ELTERN versuchen sollten, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen:

  1. Zeichnung : Werner Tiki Küstenmacher
    aus:Dernick/küstenmacher
    "Topfit für die Schule" (Kösel Verlag)
    Schwimmen lernen in der Schule ist für manche Kinder schon zu spät
  2. Radfahren lernen und Schwimmen lernen sind oft die letzten beiden Möglichkeiten, wo Kinder intensiv und mit jeder Faser ihres Körpers spüren können, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen können. Der „Schmuse-Körperkontakt“ ist auch danach noch sehr wichtig, hat aber nicht mehr diesen unmittelbaren Aspekt des Schutzes vor Umkippen bzw. Ertrinken wie beim Radfahren oder Schwimmen
  3. Eltern bringen Ihren Kindern ja auch bei, bei Rot an der Ampel stehen zu bleiben. Wie merkwürdig wäre es, sich darauf zu verlassen, dass erst die Schule den Kindern diese in unserer Gesellschaft überlebenswichtigen Strategien vermittelt.
  4. Wasser ist ebenso präsent wie Autoverkehr. Gräben, Gartenteiche oder Pools üben eine magische Anziehung auf Kinder aus. Jedes Jahr verlieren viele Kinder dadurch ihr Leben oder überleben einen Ertrinkungsunfall schwerst mehrfach behindert.
  5. Schwimmen lernen ist eine Frage des Timings. Man mus alt genug sein, um die motorische Koordination zu bewältigen, aber noch nicht so alt, dass sich die Angst vor dem Wasser oder die Scham wegen des Nichtschwimmenkönnens  schon verfestigt hat. Der Schwimmkurs in der Schule kann dieser Variabilität nicht gerecht werden

Acht Schritte zum Schwimmen lernen (gilt analog für das Radfahren)

  1. Sicherheit, 
  2. Sicherheit, 
  3. Sicherheit. Bevor ein Kind sich traut, zu schwimmen, muss es absolut sicher sein, dass die Eltern es solange halten, bis es dazu bereit ist. Crashkurse („ich lass mal kurz los und gucke, ob es schon klappt, er/sie wird dann schon schwimmen“) verunsichern Kinder stark und müssen unterbleiben. 
  4. Eine frühe Wassergewöhnung erleichtert das Schwimmenlernen. Das muss nicht das Babyschwimmen sein (dass bei familiärer Veranlagung und starker Chlorierung des Wassers das Asthmarisiko erhöhen kann). Planschen in der häuslichen Badewanne oder im Badeeimer ist vollkommen ausreichend. Wenn das Kind Spaß hat, wenn das Wasser ins Gesicht spritzt, ist schon viel erreicht. Wenn das Kind ohne Panik Wasser über den Kopf laufen lassen kann, ist es noch besser. Und wenn ihr (größeres) Kind lernt, unter Wasser durch Pusten Luftblasen zu erzeugen, hat es keine Angst mehr vor dem Tauchen.
  5. Geduld. Das Kind bestimmt das Tempo des Fortschrittes. Eine ausreichende motorische Kompetenz des Gehirnes für solch eine komplexe Bewegung wie Schwimmen entwickelt sich bei den meisten Kindern zwischen 4 und 6 Jahren. Meist merkt man es daran, dass die Kinder schwimmen lernen. Genauso ist es beim Schreiben des Namens – auf einmal WOLLEN die Kinder das Lernen und sind dazu bereit. Vorher Druck machen bringt leider gar nichts.
  6. Spaß im Wasser haben. Freude ist ein guter Motor für die Vernetzung von Nervenzellen. Bevor man mit Schwimmübungen beginnt, soll das Kind sich im brusthohen Wasser unter Aufsicht wohlfühlen und „Spaß haben“.
    Zeichnung : Werner Tiki Küstenmacher aus:
    Dernick/küstenmacher "Topfit für die Schule" (Kösel VerlagÜberschrift
  7. Das „Zaubersalz“aller erfolgreichen Pädagogen und Therapeuten nutzen: große Schwierigkeiten können überwunden werden, wenn sie in kleine Schritte zerlegt werden, die erfolgreich bewältigt werden können (s. Bild). Zwei Strategien haben sich bewährt, um innerhalb von 10-14 Terminen Fortschritte zu sehen. Am schnellsten geht es natürlich, wenn man 1-2 Wochen jeden Tag schwimmen geht, beim Schwimmengehen am Wochenende wurde in der Woche dazwischen wieder viel vergessen.
    1. Im See mit flach abfallendem Strand: Das Kind im brusthohen Wasser 1-2 Schwimmzüge mit den Armen auf Sie zu schwimmen lassen (so wie beim Spiel: „wer kommt in meine Arme?“) und dann langsam (!!!) die Strecke zu sich verlängern und zum Schluss, zentimeterweise tiefer in das Wasser gehen, bis das Kind schwimmen kann
    2. Im Schwimmbad helfen Schwimmhilfen, am besten Gurte mit einer variablen Anzahl von Schaumstoffelementen (für Mädchen gibt es auch Badeanzüge, in die man die Schaumstoffauftriebselemente stecken kann, das verrutscht dann nicht). Den Gurt soweit nach oben um die Brust legen, dass die Arme noch frei bewegt werden können – schließlich soll vor allem der Kopf über Wasser bleiben und nicht der Po. Alternativ kann man auch eine Schumstoffnudel unter den Bauch des Kindes legen – aber die kann man nicht schrittweise entfernen. Es gibt auch aufblasbare Schwimmreifen, die man um die Brust legen kann. Zum Erlernen der Beinbewegung sind Styroporbretter hilfreich, damit hat das Kind soviel Auftrieb, dass es in Ruhe die Bewegung der Arme und der Beine einzeln und miteinander üben kann. Wenn das Kind mit dieser Auftriebshilfe schwimmen kann, kann man sie schrittweise (!) entfernen, (oder immer ein wenig Luft aus dem Schwimmreifen um die Brust lassen) nach der Herausnahme des letzten Schaumstoffelement kann das Kind schwimmen! Und jeder Schritt bis dahin ist so klein, dass er fast nicht wahrnehmbar ist. 
  8. Nach dem „Seepferdchen“ noch 8 Wochen 1x /Woche schwimmen gehen um das Erlernte zu festigen und zu automatisieren. Erst dann ist das Kind sicher, dass es die Schwimmbewegung automatisch macht, wenn es ins Wasser fällt und hat die „Lebensversicherung“ des Schwimmenkönnens.

 

Zeichnung : Werner Tiki Küstenmacher
aus:Dernick/küstenmacher
"Topfit für die Schule" (Kösel Verlag

Und wenn es nicht klappt? Dann haben Sie es wenigstens ein paar Mal versucht. „Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind großzuziehen“ heißt es in einem afrikanischen Sprichwort. Manche Dinge können Kindern nicht von Ihren Eltern lernen. Und dann ist es gut, wenn es Onkel, Tanten oder Schwimmlehrer gibt, die diese Aufgabe übernehmen können.

 

Literatur /zum Weiterlesen:

so unsicher sind Schwimmhilfen ohne Aufsicht und so „leise“ passiert es - im Video eht es aber gut aus 😊 

https://m.youtube.com/watch?v=L0KTqPloUiU

Tipps zu sicherem Schwimmen für Kinder der DLRG - mit Schwimmflügelwarnung

Topfit für die Schule mit FamilienErgo – nicht nur ein Buch zur Schulvorbereitung im Alltag, sondern auch ein Ratgeber im selbstbewusstseinstärkenden Umgang mit Kindern

 

Ich Schaff’s von Ben Fuhrman. Ein wunderbares Buch darüber, wie man im kleinen Schritten große Schwierigkeiten überwindet. Das Buch von Ben Furman war die Inspiration zu der Zeichnung von Werner Tiki Küstenmacher