Sprachförderung im Vorschulalter

Die Konzepte FamilienErgo und FamilienErgo-Coaching können von Erziehern, Pädagogen und anderen Fachkräften unterstützend bei der Beratung von Eltern zur Sprachförderung eingesetzt werden.

In Kitas, Praxen und in Einrichtungen der Sprachförderung erscheinen immer mehr Kinder mit einer besonderen Variante von Sprachstörungen. Dabei ist nicht so sehr die Aussprache betroffen (z.B. grei statt drei), sondern vor allem die Bereiche:

  • Sprachverständnis: die Kinder können sich AUF die Liege SETZEN, einen Bauklotz NEBEN die Kiste legen, auf einem Bein STEHEN usw. Sie verstehen aber die Aufforderung erst, wenn man es Ihnen vormacht. Und das liegt nicht an fehlender Kooperationsbereitschaft oder Schwerhörigkeit. Stattdessen LEGEN sie sich auf die Liege, packen den Bauklotz IN die Kiste und HÜPFEN auf einem Bein.
  • Grammatik: Statt nachzufragen "Soll ich mich auf die Liege setzen / Soll ich auf einem Bein hüpfen / Soll ich den Bauklotz da hin legen" sagen sie zum Beispiel "Liege setze ich?" und "Bein hopse ja!" und "Bauklotz legen da?"
  • Sprachbedeutung (Semantik): Die Kinder antworten zwar in verständlichen Sätzen, aber nicht auf die Fragen, die gestellt  wurden, zum Beispiel sagt der Arzt bei der U8 mit vier Jahren:"Was machst du, wenn du Durst hast?" - Kind: "Zum Spielplatz gehen". Arzt:" Warum muss man die Blumen gießen?" - Kind: "Gießen Sand Bielplatz" oder "Blume gieße immer". Die Antworten haben zwar entfernt etwas mit der Frage zu tun, ermöglichen aber kein altersentsprechendes Gespräch.
  • auditiver Speicher: Die Kinder fragen häufig nach - "Hä??" - und können sich mehrere Aufträge nicht merken, z. B. "Räum die Bauklötze in die Kiste und hol doch mal das Autopuzzle."

Risikofaktoren für Sprachstörungen

Risikofaktoren hierfür sind aus meiner Erfahrung:

  • Das Vorliegen einer (überwiegend genetisch bedingten) Sprachentwicklungstörung oder -verzögerung, bei der allerdings in der Regel auch die Aussprache deutlich auffällig ist. Hier ist in der Regel eine Logopädische Behandlung anzuraten.
  • ekzessiver Fernseh- und Medienkonsum mit über 30 Minuten täglich vor den Bildschirm.
  • ein Mangel sprachlicher Anregung (keine gemeinsamen Mahlzeiten, bei denen das Kind ohne laufenden Fernseher /Radio vom Tag berichten kann, kein Vorlesen abends, Eltern sind mit eigenen Problemen beschäftigt).
  • schwerwiegende, traumatische Erlebnisse des Kindes.
  • unstrukturierte Mehrsprachigkeit (die Bezugspersonen sprechen mehrere Sprachen durcheinander). Eine Mehrsprachigkeit im Sinne von "jede Person spricht ihre Muttersprache" beeinträchtigt die Sprachentwicklung nicht.

Mit FamilienErgo und FamilienErgo-Coaching können Erzieher und Pädagogen Eltern zur Sprachförderung beraten: 

  • Telefonieren verbessert das Sprachverständnis und den auditiven Speicher.
  • Tisch decken erleichtert das Be-Greifen der räumlichen und zeitlichen Begrifffe (vor, neben, hinter, danach) im Sinnzusammenhang (Semantik).
  • Beim Socken legen und Geschirr wegräumen) lernt es die Vergleichs- und Steigerungsformen der Grammatik ("Die Socke passt da nicht hin, die ist zu klein, guck mal, die ist größer").
  • Bei allen FamilienErgo-Tätigkeiten reden Eltern und Kinder miteinander, so dass sich die Kinder die richtige Grammatik "abhören" können.
  • Eltern können die Sprachentwicklung durch das aktive Wiederholen unterstützen (Kind: "Socke in Lade ich tu" - Elternteil: "Du legst die Socke in die Schublade -gut so!"). Dadurch fühlen sich die Kinder verstanden, nicht korrigiert und können sich an der Wiederholung der Eltern orientieren. So lernt man sprechen.
  • Im Buch "Topfit für die Schule" erhalten Sie weitere Tipps zum Umgang mit  Besonderheiten der Sprache (z.B. das Kind spricht immer sehr leise / sehr laut).
Sprechen lernen
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