Kekse backen zur Schulvorbereitung?

Ja, das geht! Sehen Sie Dr. Dernick im SAT-1 Frühstücksfernsehen zum Thema und erfahren Sie

  1. Was bei Ihrem Kind bei der Einschulungsuntersuchung geprüft wird, um die Schulreife festzustellen

  2. Wie Sie Ihr Kind auf die Schuleingangsuntersuchung und die Schule vorbereiten können - das kostet ein wenig Zeit, fast kein Geld, macht Freude und findet mitten im Familienalltag statt. 

Hinweis: Auf dieser Seite werden die Fördermöglichkeiten Vorläuferfertigkeiten von Lesen, Schreiben und Rechnen erläutert - am Beispiel des Keksebackens. Für einen erfolgreichen Schulbesuch braucht ein Kind noch einiges mehr, z.B. soziale Kompetenz und Selbstständigkeit. Weitere Anregungen und ein strukturiertes Schulvorbereitungstraining mit  vielen ergänzenden Infos finden Sie in unserem Familienset. Und für alle, die es genau wissen wollen: Hier geht es zum Faktencheck.

Was wird in der Schuleingangsuntersuchung geprüft

Neben der Basisuntersuchung (Hören, Sehen, körperlicher Gesamteindruck etc.) führen fast alle Bundesländer Entwicklungstests durch, die meisten Bundesländer verwenden SOPESS = Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening bei der Schuleinganguntersuchung. Dadurch können mit wenigen "Rätselaufgaben" Kinder mit Risikofaktoren für das schulische Lernen identifiziert und damit früh gefördert werden. Die genauen Aufgaben dürfen natürlich nicht veröffentlicht werden, damit übereifrige Eltern nicht genau diese mit Ihren Kindern üben und zum Nachteil Ihrer Kinder die Ergebnisse verfälschen. Aber es ist kein Geheimnis, welche Fertigkeiten geprüft werden, diese sind in der folgenden Tabelle dargestellt. Bei einer Nachuntersuchung am Ende der zweiten Klasse an über 300 Kindern zeigte sich, dass die Kinder, die in den acht genannten Bereichen gut abgeschnitten hatten in der Regel auch erfolgreich Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt haben.

Was bedeuten diese Kompetenzen? Wie kann ich mein Kind in diesen Bereichen unterstützen?

In der Tabelle sind die Fertigkeiten in der Reihenfolge dargestellt, wie an sie bei Plätzchen backen benötigt. Im folgenden finden Sie Informationen zu den einzelen Kompetenzen und wofür diese beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen notwendig sind und wie Sie diese fördern können.

1. Selektive Aufmerksamkeit (die zentrale Kompetenz auch für alle anderen Aufgaben)

  • Fokussierung: Die Augen und die Konzentration bei der Aufgabe behalten.
  • Visuelles Abscannen: Das Blatt auf die notwendigen Informationen untersuchen. Dies wird geprüft, indem die Kinder in kurzer Zeit z.B: möglichst viele Äpfel aus einer Reihe mit Äpfeln und Birnen herausstreichen sollen.
  • Impulshemmung: Auch wenn der Nachbar den Bleistift fallen lässt oder draussen ein Auto vorbeifährt soll das Kind bei der Sache bleiben - ideal im Supermakrt zu üben, wo das Kind die Konzentration gegen viele Ablenkungen aufrecht erhalten muss.
  • FÖRDERTIPPS:  In vielen Schulvorbereitungsheften gibt es zwei ähnliche Bilder, auf denen die Kinder die Unterschiede finden sollen. Im Supermarkt muss man aus vielen verschiedenen weißen Paketen oder bunten Gläsern das richtige Mehl oder die richtige Marmelade heraussuchen.

2. Zahlen- und Mengenvorwissen (nicht nur für Mathe wichtig!)

  • Zahlenwissen: die Zahlen von 1-20 kennen. Aber dabei ist nicht das schnelle "runterrattern" entscheidend, sondern die Fähigkeit der Eins-zu-eins-Zuordnung. Wenn auf einem Bild 20 Tüten Eis sind, geht das Kind beim Abzählen erst mit dem Finger weiter, wenn es auch eine weitere Zahl nennt. Manche Kinder rattern die auswendig gelernten Zahlen "einszweidreivierfünfsechs" einfach runter und tippen mit dem Finger irgendwo hin - mit dem Ergebnis, dass sie nur selten bei der zwanzigsten Eistüte ankommen, wenn sie mit dem Mund bei der Zahl "Zwanzig" angekommen sind. Das rächt sich nicht nur beim Zahlenverständnis, sondern auch, wenn man bei den ersten Leseversuchen mit dem Finger schon weiter ist als mit dem Mund und deshalb die Buchstaben nicht "zusammenschleifen" kann. "K-A-F-F-E-E - ach so: Kaffee".
  • FÖRDERTIPPS: Schon mit 3jährigen kann man beim Hoch- und runtergehen der Treppen laut die Stufen mitzählen "eieins- zwwwweiii- drrrrei-vieer- geschafft" und das nächste Zahlwort erst nennen, wenn auch die nächste Stufe erklommen wird. So speichern die Kinder im "Leibgedächtnis" ganzheitlich ab: Eine Bewegung weiter - eine Zahl weiter. Beim Plätzchen backen ist es jedem einleuchtend, dass man die Zutaten GENAU zusammenmischen muss. Viele Rezepte enhalten Löffelangaben. Einen Tassenkuchen kann man ohne Messbecher, nur mit Tassen abzählen, backen. Auch beim Sockenlegen und Tisch decken kann man korrektes Abzählen lernen - wenn man einen Teller zuwenig oder zuviel hatte, muss man halt nochmal laufen - das prägt sich ein!
  • Automatische Mengenerfassung: Wenn wir Erwachsene drei Eier sehen, müssen wir nicht erst abzählen, ob es drei sind - wir sehen das mit einem Blick, Bei 18 Eiern auf einemTablett gibt es wohl kaum einen Erwachsenen, der mit einem Blick achtzehn Eier erfasst.  Die Kinder sollen vor der Schule mindestens drei, besser vier oder fünf Elemente "simultan" erfassen können und sollen bei kleinen Mengen auf einen Blick sehen, was mehr ist. Das ist wichitg für die Mengenerfassung in Mathe.

  • FÖRDERTIPPS: Das Ratespiel im Eierkarton aus der Tabelle. Oder verschieden viele Dinge auf ein Tablett packen, mit Handtuch abdecken und nur eine Sekunde gucken lassen: "Wieviele sind das?". Besonders Spaß macht das natürlich, wenn die Kinder auch die Erwachsenen "testen" dürfen. Auch beim Tischdecken spürt man mit der Zeit ganz genau schon in der Hand, ob man drei oder vier Gabeln in der Hand hat - und auch daraus kann man ein Eltern-Kind-Ratespiel machen.

3. Visumotorik (die Fähigkeit, Augen und Hand zu koordinieren)

Dies wird bei Einschulungsuntersuchungen durch Nachzeichnen von Figuren geprüft.

FÖRDERTIPPS: Vorschulmalhefte enthalten in der Regel (nur) visumotorische Aufgaben. Viel cooler ist es, wenn man etwas "Sinnvolles" Aufschreiben kann. Mein Lieblingsrezept für Streusel kann z.B. so fürs nächste Mal notiert werden: M200 Z100 B100 E1 (Auflösung der Abkürzungen in der Tabelle oben). Das geht auch mit Kindern, die nur wenige Buchstaben und Zahlen schreiben können, aber damit schon ein Gefühl dafür bekommen, dass man mit diesen Buchstaben SEHR nützliche Dinge notieren kann. Und damit auch Obst essen Freude macht, machen Sie aus den Streuseln einen "Crumble": Eine Auflaufform voller Apfel oder Birnenstückchen, die mit den Handrührgerät geknetete Streuselmasse darüber, alles bei 160 Grad 30 min in den Ofen. Schmeckt superlecker mit Vanillesauce und wärmt den Bauch nach einem langen Herbsttag voll Rumbutschern im Matsch. Beim Plätzchenbacken wird die Visumotrik aufs Äußerste gefordert, wenn man versucht, den Stern aus der Ausstechform zu lösen, ohne die Zacken abzubrechen und ihn heil aufs Blech zu bekommen. 

4. Visuelle Wahrnehmung (Erkennen von Zusammenhängen, Problemlösefertigkeiten)

  • Was sieht gleich aus - und was ist ein bisschen anders? - Wichtig für die Unterscheidung von 2 und 5, von b und p usw.
  • Was gehört zusammen - und was gehört nicht dazu?  z.B. Apfel, Birne, Kirsche, Löffel (der Löffel gehört nicht dazu, ist ja kein Obst) 

FÖRDERTIPPS: Hier ist das Plätzchenausstechen die Meisterdisziplin. Schließlich will man ja nicht nur drei Ausstecher aus einem Stück Teig stechen, sondern den Teig möglichst gut nutzen, damit man ihn nicht ständig wieder ausrollen muss. Also probiert man: Wie kann man durch geschicktes Drehen und Auswählen der Förmchen möglichst viele Ausstecher positionieren, ohne dass beim Tannenbaum die rechte Seite und beim Engel der Fuß fehlt? Da glühen die Neuronen der visuellen Wahrnehmung und vernetzen sich in Windeseile zu fantastischen Fertigkeiten. Da passiert Lernen. Das "Was gehört zusammen"- Spiel kann auch sehr gut beim Sockenlegen spielen - auch hier müssen komplizierte Muster erfasst und zugeordnet werden. Im Buch Topfit für die Schule zeige ich, wie nah das Sockenlegen am Erlernen von Grammatik ist.

5. Sprachliche Kompetenzen (hier geht es auch um das genaue Zuhören und verstehen von Aufgaben)

  • Auditiver Speicher . dies wird mit dem Nachsprechen von Pseudowörtern (Wörter ohne Bedeutung, wie z.B. "farekali") geprüft. Diesen auditiven Speicher hat ihr Kind schon hundertfach benutzt- nämlich immer dann, wenn es ein neues Wort (nach-)gesprochen hat.
  • FÖRDERTIPPS:Für kleine Kinder (1-4 Jahre) ist das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern eine wunderbare Art, um den Speicher zu trainieren, zum Beispiel durch solche Dialoge: Kind: "da, mau" - Mutter/Vater: " Ja, da läuft die Katze" - Kind "Tatze, ja" - Mutter/Vater: "Ja, genau, die Katze". Kinder im Vorschulalter trainieren den auditiven Speicher, wenn sie Aufträge erhalten, diese (leise oder hörbar) wiederholen und danach handeln. Das geschieht zum Beispiel beim Tisch decken, aber sehr viel variabler im Supermarkt. Wer sich hier drei Aufträge merken kann (10 Eier, 1 Paket Butter, 1 Tüte Mehl), der kann entspannt auf die Einschulung zugehen.
  • Pluralbildung: Es ist schon vertrackt im Deutschen. Es heißt: Das Haus, die Häuser, aber der Baum, die Bäume (und nicht etwa "die Bäumer"). Andere Pluralformen werden durch Anhängen von "n" gebildet (Schachtel- Schachteln). Ab ca. drei Jahre sollten die Kinder versuchen Pluralformen zu bilden.
  • FÖRDERTIPPS: Aktives Wiederholen ohne Verbessern oder Abfragen unterstützt die Kinder. Zum Beispiel im  Supermarkt:"Da sind Apfeln" - Mutter/Vater:"Ja, da sind die Äpfel".
  • Präpositionen: Diese vielen kleinen Wörter, die einem das Erlernen von Fremdsprachen so schwer machen. Die Kinder lernen das beim Handeln. Gemeinsames Kekse backen bietet ein Vielzahl von Übungemöglichkeiten. Auch hier können Sie die Kinder mit aktivem Wiederholen unterstützen.

MEHR ZUM THEMA: Sprachförderung von 1-4 Jahren und Sprachförderung im Vorschulalter finden Sie auf unseren Elternseiten.

Viel Freude beim gemeinsamen Keksebacken und Kekseessen wünscht Ihnen

 

Dr. Rupert Dernick