Heilmittel verordnen mit dem IVAN-Algorithmus

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

im März-Heft des Kinder- und Jugendarztes 2015 wurden die Ergebnisse der Interdisziplinären, Verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe ENtwicklungsstörung, IVAN, zur Heilmittelverordnung publiziert. Vertreter von BVKJ, DGSPJ, DGAAP und BAG vereinbarten unter Koordination von Prof. Ronald Schmid, Altötting, ein Stufenschema für die Verordnung von Heilmitteln. DIe IVAN-Leitlininen (Download von dgspj.de) empfehlen ein dreistufiges Vorgehen bei Verdacht auf Entwicklungsstörung:

  1. (Stufe1) In der Praxis des Kinder- und Jugendarztes soll ein Screening  mit Items im Bereich der PC10 (10er-Percentile) klären, ob eine weitere Diagnostik erforderlich ist. Für den Bereich U2-U9 empfehlen die Autoren die Grenzstein-Items nach Michaelis, die auch im (noch nicht rechtsgültig veröffentlichten) Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu den Vorsorgen vorgeschlagen werden.
  2. (Stufe 2) Vor der Verordnung eines Heilmittels soll eine standardisierte Testdiagnostik durchgeführt werden und eine ausführliche Anamnese bezüglich bio-psycho-sozialer Risikofaktoren ("red flags") erhoben werden. Es werden Empfehlungen zu den Testverfahren abgegeben, die für deutsche Kinder ausreichend normiert und validiert sind (z.B. BUEGA, BUEVA, ET6-6).
    • Bei einem Abschneiden in der Testdiagnostik im Bereich unterhalb von PR10 (T-Wert <= 37) kann der niedergelassene Kinder- und Jugendarzt bis zu 30 Stunden Funktionstherapie (Ergotherapie, Logopädie, Krankengymnastik) verordnen, wenn Alltagsbeeinträchtigung, Leidensdruck und angemessenen Förderfähigkeit gegeben sind.
    • Bei Testwerten oberhalb PR 16 (T-Wert >= 40) ist von einem Normalbefund auszugehen.
    • Bei einem Abschneiden zwischen PR10  und PR 16 (T-Wert 37- 40) soll in der Regel keine Heilmittelverordnung, sondern eine Förderung des Kindes erfolgen. Bei Vorliegen von Risikofaktoren auch bei Testwerten > PR 16.
    • Bei einer Beeinträchtigung der Teilhabe kann auch bei Werten > PR 10 ein Heilmittel verordnet werden.
    • Kinder mit auffälligen Werten in mehreren Testbereichen können und sollen direkt an das SPZ Überwiesen werden.
    • Der Verlauf ist nach 6 Monaten zu kontrollieren, bei fehlender Aufholentwicklung Überweisung an das SPZ
  3.  (Stufe 3) Mehrbereichsdiagnostik nach dem EKPSA-Schema im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ)
Überblick IVAN-Algorthmus. Quelle: Rope-Manual
Überblick IVAN-Algorthmus. Quelle: Rope-Manual

Hier können Sie das IVAN-Papier von der Seite der DGSPJ herunterladen.

Das RopE-Konzept propagierte seit 2008 das Vorgehen in einem Stufenschema, so dass die Materialien des RopE-Manuals ideal für die Umsetzung des IVAN-Algorithmus genutzt werden können.

Die  7. Auflage des RopE-Manuals (2015) wurde komplett überarbeitet und erweitert (von 64 auf 128 Seiten).

Das neue RopE hat folgende Schwerpunkte:

  • Konzepte für Heilmittelanfragen aus KiTas und Grundschulen (neu: oft nur noch EIN Arzttermin nach Testung notwendig)
  • Vorlagen für optimierte Kommunikation mit Erziehern und Therapeuten. 
  • Alltagsbeeinträchtigung und Leidensdruck erkennen, 
  • Fördermöglichkeiten für nicht therapiebedürftige Kinder,
  • ALF-Regel als Richtlinine für Therapieindikation ohne Testung (besonders für Kollegen, die zur Zeit noch nicht über die Möglichkeit einer Testung verfügen und kein SPZ in erreichbarer Nähe oder mit monatelangen Wartezeiten haben),
  • in den Praxismaterialien Verweise auf die FamilienErgo-Seite Braucht mein Kind Ergotherapie?, auf der den Eltern das umfangreiche Procedere bis zur Heilmittelverordnung erläutert wird,
  • Kontrolle der Therapieeffizienz /-Effektivität...

... und alles abgestimmt auf das IVAN-Papier mit Praxismaterialien auf CD-ROM zum Ausdrucken. 

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